Interview

ES WAR EINE ZEIT, IN DER WIR RICHTIG HART GEFEIERT HABEN

DEAD BY SUNRISE
07.10.2009, Hamburg, Grünspan

Nach langer Zeit hat sich der Linkin Park - Frontmann Chester Bennington dazu entschlossen sein Nebenprojekt Dead By Sunrise voranzutreiben. Dazu gehörte auch ein Showcase im Hamburger Grünspan, in dem er erstmalig die Songs mit seinen Bandkollegen der Öffentlichkeit präsentierte. Um ein bisschen Licht in dieses Projekt zu bringen, haben wir uns mit den Bandmitgliedern Amir Derakh und Ryan Shuck getroffen, um einen kleinen Plausch zu halten.

Heute Abend spielt ihr im Grünspan. Was sind eure Erfahrungen mit Hamburg, wart ihr vorher schon einmal hier?
Ryan: Ja schon ein paar Mal! Wir hatten ein paar Pressetermine zu Orgy Zeiten damals. Ich glaube Amir hat vor 20 Jahren mal hier gespielt (lacht).

Dead by Sunrise ist ein Projekt, das aus Mitglieder sehr bekannter Bands besteht.  Denkt ihr das ist ein Vorteil für euch, oder habt ihr das Gefühl die Fans werden euch immer mit euren alten Bands in Verbindung bringen und Erwartungen stellen, die ihr vielleicht nicht erfüllen könnt?
Ryan: Ich denke es ist ein Vorteil, denn es hat uns viele Türen geöffnet. Es ist für uns viel einfacher gewesen, mit dem Equipment und den Verbindungen, die wir hatten zu starten, als dass wir komplett von null beginnen mussten. Klar, es ist nicht einfach mit so vielen Fans im Rücken aber wir betrachten dieses Projekt als eine völlig neue Sache. Die Fans sind ja nicht doof

Chester singt bei Linkin Park, ihr beide habt euer Nebenprojekt namens Julien K. Das sind jetzt drei oder mehr verschiedene Wege eure Kreativität zu kanalisieren und ihr Ausdruck zu verleihen. Denkt ihr jeder Musik sollte so viele Möglichkeiten ausnutzen oder denkt ihr auch manchmal „Mann, das wird mir jetzt zu viel!“?
Amir: Ich denke für jeden ist das anders. Kommt natürlich drauf wie talentiert du bist. Jeder hat ja neben der Bandarbeit weitere musikalische Interessen. Wenn du in einer Band spielst wird dein kreativer Output von deinen Bandmitgliedern gefiltert und du hast Material, was du toll findest aber nicht in der Band unterbringen kannst. Deswegen sind andere Projekte für dich als weitere Selbstverwirklichungsmöglichkeit toll.

Bekommt ihr eigentlich Feedback von euren Kollegen von Orgy? Was halten die Jungs von Linkin Park von euch?
Amir: Jay (Leadsänger von Orgy) hat uns sehr unterstützt. Auch Mike Shinoda (Linkin Park) war sehr hilfreich und die anderen Jungs von Linkin Park haben uns keinerlei Steine in den Weg gelegt. 

Ihr habt euch Howard Benson als Produzent ausgesucht, der ja auch schon für My Chemical Romance gearbeitet hat. Wie kam es zu der Zusammenarbeit? Gab es besondere Gründe, die den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben hat?
Amir: Er war ehrlich gesagt der einzige, der unsere Arbeitsweise verstanden hat und wusste wie unsere Art des Songwritings am besten umgesetzt werden kann. Er hat einige super Ideen eingebracht und uns auch zu einem besonderen Sound verholfen.

Hat der Name „Dead by Sunrise“ eine tiefere Bedeutung? Wie ist es zu diesem Namen gekommen?
Amir: Die Idee zu diesem Namen kam von Chester. (lacht). Ich denke Frank hat da mehr zu sagen.

Ryan: Es war einfach eine Zeit wo wir richtig hart gefeiert haben und wir echt Probleme hatten, damit aufzuhören. Wir wussten teilweise nicht, ob wir zum nächsten Sonnenaufgang noch am Leben sein werden.

Ihr habt ja mit Orgy schon mit der deutschen Band Rammstein gespielt...
Ryan: Oh ja! (lacht)

Wie sieht das mit anderen deutschen Bands aus? Kennt ihr euch auch mit deutschen Bands aus?
Ryan: Ehrlich gesagt nicht besonders. Wir haben ja mit Rammstein bei der Family Values Tour gespielt und die Typen waren echt total krass drauf. Wir haben glaube ich zusammen mehr Schaden in amerikanischen Clubs verursacht, als jedes Line up zu vor. Wir haben ne Menge kaputt gemacht (lacht), also richtig üblen Kram.

Die erste Single „Crawl Back in“ wurde als kostenloser Download angeboten. Wie seht ihr das? Wie steht ihr zu der Aussage, dass Musik immer mehr zur Umsonst-Ware wird? Ist das die Zukunft der Musikbranche?
Amir: Es findet definitiv eine Veränderung statt. Wir haben teilweise ja keine Wahl mehr, was Filesharing angeht, da muss definitiv darüber geredet werden. Ich beobachte diesen Trend schon länger und besonders für Nachwuchsbands scheint dies ein guter Weg zu sein. Auf lange Sicht beeinflusst dies aber die Verkäufe. Ganz ehrlich, niemand weiß, was uns noch alles erwarten wird.

Ryan: Da stimme ich Amir zu. Klar findet eine Veränderung statt, aber wer weiß was in zehn Jahren sein wird. Aber Musiker müssen nun mal von ihrer Musik leben können. Ich denke der Fokus wird sich auf andere Sachen verschieben.

Amir: Genau! Es gibt so viele Wege für einen Musiker. Radio,TV oder Videospiele zum Beispiel. Konzerte und Touren können für große Bands profitabel sein, aber wie immer sind es die kleinen Bands die große Probleme haben. Für die wird es immer schwieriger. Aber auch für größere Bands sind die rosigen Zeiten vorbei.

Das Video zu „Craw back in“ zeigt euch in einer Wüste. Wieso habt ihr diese Umgebung für euer erstes Video gewählt?
Ryan: Ach, das hatte keine tiefere Bedeutung für uns. Wir wollten einfach ein Video haben, in dem die Band performend zu sehen ist. Uns wurde diese Idee vorgeschlagen und wir fanden es einfach cool!

„Out Of Ashes“ ist ein sehr vielschichtiges Album mit unterschiedlichen musikalischen Einflüssen, aber trotzdem kann man gut eure musikalischen Hintergründe heraushören. Wie habt ihr das gehandhabt? Kann man „Out Of Ashes“ als eine Art musikalischen „Melting Pot“ bezeichnen?
Ryan: Ja, das trifft es super! Weißt du, es ist im Grunde ganz einfach. Wenn Chester nicht da wäre, würde es eher nach Orgy klingen und wenn wir nicht da wären, würden die Leute sagen: „Hey, das ist Linkin Park“ Klar, bei so einer Besetzung kann man diese Gedanken nicht von der Hand weisen. Ich hoffe jedoch wir haben etwas ganz neues geschaffen und dass die Leute „Dead by Sunrise“ von unseren anderen Bands unterscheiden können.

Wie war das beim Songwriting. Gab es Songideen von denen ihr gedacht habt, diese Ideen könnt ihr nicht fortführen weil sie vielleicht zu sehr nach euren jeweiligen alten Bands klingen?
Ryan: Nein, das Problem hatten wir überhaupt nicht.

Amir: Die Ideen kamen größtenteils von Chester. Klar, er hat ja seinen gewissen Sound, der immer an gewisse musikalische Ursprünge erinnert. Jedoch konnten wir die Songs als Band „Dead by Sunrise“ so gestalten, dass etwas mit eigenem Charakter entstanden ist. Wir sind total anders an die Songs herangegangen, als wir es Beispiel bei Julien K gemacht hätten. So war das Ergebnis natürlich auch etwas völlig neues.

Ihr habt ja schon einige Shows mit Linkin Park zusammen gespielt. Wie ist das eigentlich für euch, bei einer Show einen Frontmann mit einer anderen Band zu teilen?
Amir: Für uns ist das eigentlich nichts Besonderes. Wir sind einfach ein paar Kumpels die zusammen auf einer Bühne stehen und zusammen Musik machen. Für die Linkin Park Fans war das bestimmt eher total verwirrend (lacht). Ich meine, da kommt ein Kerl auf die Bühne und singt, geht wieder von der Bühne und kommt plötzlich mit anderen Leuten wieder. Die denken bestimmt: „Was ist das hier für ein Scheiss?“ (lacht).

Habt ihr denn von den Linkin Park Fans Feedback bekommen? Wie haben sie eure Musik aufgenommen?
Ryan: Ja klar haben wir Feedback bekommen. Klar, das war jetzt nicht so überschwänglich wie bei Linkin Park, aber dafür, das sie unsere Musik nicht kannten ist es echt super gelaufen!

Jungs, ich bedanke mich für das Gespräch.

INTERVIEW: Martin

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